Archive for August, 2010

#1692

Dienstag, August 31st, 2010

Die dicke Frau lächelte ihn an: Ihr fehlte ein Vorderzahn, und sie hatte die blassen Gaumen eines Vasco da Gama am vierzigsten Tag einer Vitaminmangelkrankheit. (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 182)

#1691

Dienstag, August 31st, 2010

Tragische Geschichten von Vermögen, die sich im Casino in Luft aufgelöst hatten, machten an Familienabenden, im schaurig hohlen Tonfall von den Barden des Stammes erzählt, die Runde. Tante Mane, die historische Achtzigjährige, deren Lächeln sich im Zickzack den Weg durch vertrocknete Schminke und Cremes bahnte, hatte das Silber des Hauses beim Bakkarat verschwinden lassen und benutzte einen Pfandschein anstelle des Personalausweises. (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 180)

#1690

Dienstag, August 31st, 2010

… winkte ihm aus der Taverne an der Straße zum Friedhof zu, wo das Schild ‘Nächstes Mal erwarte ich euch hier’ dem Tod die untergeordnete Bedeutung eines Vorwands verlieh: Das Bestattungsinstitut Martelo (”Warum wollen Sie unbedingt leben, wo Sie doch für fünfhunderte Escudos ein schönes Begräbnis haben können?”) zeigte Särge und direkt darüber Händchen aus Wachs strategisch plaziert… (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 169)

#1689

Dienstag, August 31st, 2010

Der Notarsjunge auf der anderen Seite erklärte der dicken Dame, die ihn begleitete, mit der würdigen Selbstzufriedenheit der Starkdummen die Handlung von Vetter Basilio. Man erahnte in ihm den Richter am Obersten Gericht oder den Vorsitzenden der Mitgliederversammlung eines Sportvereins, der tiefernst aufgeblasenen Schwachsinn von sich gibt, und der Psychiater fühlte für den Kerl einen Strom jenes ehrlichen Mitleids, das er für diejenigen empfand, die, unheilbar in Dummheit eingemauert, die Existenz der anderen nicht bemerken. (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 162)

#1688

Dienstag, August 31st, 2010

… ehemaligen tapsigen Priesterschüler mit der Seele einer Abtshaushälterin. (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 128)

#1687

Dienstag, August 31st, 2010

In dieser merkwürdigen Zeit erscheint Intelligenz dumm und Dummheit intelligent, und es ist ratsam, aus Gründen der Klugheit, beiden zu mißtrauen. (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 117)

#1686

Dienstag, August 31st, 2010

Was würde ich tun, wenn ich an meiner Stelle wäre? (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 198)

#1685

Dienstag, August 31st, 2010

Ohne Geld fühlte ich mich sterbenselend, das ist mein Benzin. (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 191)

#1684

Dienstag, August 31st, 2010

Die Matratze kennt noch meine Schlafgewohnheit. (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 116)

#1683

Dienstag, August 31st, 2010

Sein Egoismus maß das Pulsieren der Welt anhand der Aufmerksamkeit, die er erhielt. (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 112)