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Freitag, Juli 30th, 2010Das wahre Leben, das endlich entdeckte und aufgehellte, das einzige infolgedessen von uns wahrhaft gelebte Leben, ist die Literatur. (Marcel Proust)
Das wahre Leben, das endlich entdeckte und aufgehellte, das einzige infolgedessen von uns wahrhaft gelebte Leben, ist die Literatur. (Marcel Proust)
Der ungläubige Nabokov definierte die Psychoanalyse als “die tägliche Anwendung alter griechischer Mythen auf die Geschlechtsteile”. Dabei ließ er jedoch außer Acht, daß die ‘Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie’ die gesamte Literatur des Jahrhunderts beeinflußt haben. Wenn man es recht bedenkt, hätte es ohne Freud natürlich keinen Surrealismus, keinen Zweig oder Schnitzler gegeben, aber auch keinen Proust - der nicht einmal Sigmund hatte lesen müssen, um Freudianer zu sein -, keinen Gide, keinen Thomas Mann, ja, im Grunde genommen stünden ohne Freud überhaupt nur wenige Namen auf unserer Liste. Ohne seine Pest hätten wir auch auf die Bücher von Philip Roth und die Filme von Woody Allen verzichten müssen. Allein um Roths und Allens willen muß man Freud schon dankbar sein, daß er den Menschen gekränkt hat, indem er ihn als infantiles, vom Sexualtrieb gesteuertes Wesen bezeichnete. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, daß Sie immer, wenn Sie Ihre Verlobte “hysterisch”, Ihren besten Kumpel “mythoman”, Ihren Arbeitgeber “paranoid” oder ihren Vater “latent homosexuell” nennen, Freud damit Ehre erweisen. Hätte es ihn nicht gegeben, würden Sie sagen, sie seien “verrückt”, “verlogen”, litten unter”Verfolgungswahn” und Äh… Papa, zieh doch bitte dieses Kleid aus”. (Frederic Beigbeder: Letzte Inventur vor dem Ausverkauf. Die fünfzig besten Bücher des 20. Jahrhunderts, S. 94)
@Philoponus Hach, ich wollte schon immer mal gemeinsam mit Dostojewskij empfohlen werden
Büchermenschen #FF @dostoevskij @bigben_reloaded @giesbert @bonaventura61 @buchfieber
Die Weiber lieben den in uns, der gekommen wäre, wenn wir nicht gekommen wären. (Arthur Schnitzler)
Eine hungrige Möwe verschlingt eine ganze Ratte. Oder eben, es klaut die Henne der Miez die Maus.
Nach Kopernikus, der uns gelehrt hat, daß wir uns nicht im Zentrum des Universums befinden, und Darwin, der uns darüber aufklärte, daß wir vom Affen abstammen, erzählt uns nun Freud, wir seien nicht einmal Herr unserer Sexualität. Das nennt er die ‘dritte Kränkung’, was ihn dazu veranlaßt, bei seiner Ankunft in New York zu behaupten: “Ich bringe Ihnen die Pest”. (Frederic Beigbeder: Letzte Inventur vor dem Ausverkauf)
Viele Bücher des Jahrhunderts stellen unsere Geduld auf eine harte Probe: ‘Das Ufer der Syrten’ von Julien Gracq, das zehn Jahre später erschien, ebenso wie ‘Warten auf Godot’ von Beckett oder, in jüngerer Zeit und in einem ganz anderen Genre, ‘Die Liebe in den Zeiten der Cholera’ von Garcia Marquez. Im Grunde muß jedes gute Buch die Erwartung schüren, zumindest die des Lesers; damit er Lust hat weiterzublättern, bedarf es einer gewissen Anspannung, und was bewirkt eine stärkere Anspannung, als ihn warten zu lassen? Lesen heißt, auf die nächste Seite zu hoffen. Man mag das Buch am allerliebsten, das es geschafft hat, einem die Zeit zu vertreiben (das nennt man die “Spannung” oder den “Motor der Erzählung”, je nachdem, ob man Alfred Hitchcock oder Schüler einer Elite-Hochschule ist. (Frederic Beigbeder: Letzte Inventur vor dem Ausverkauf. Die fünfzig besten Bücher des 20. Jahrhunderts, S. 79)
Was ist die Literatur anderes als eine elegante Art der Haarspalterei? (Frederic Beigbeder)
Angelo Rinaldi übertreibt, wenn er meint, dieses Buch hätte “Hundert Jahre Seichtigkeit” heißen sollen, auch wenn es immer Spaß macht, die altehrwürdige Kritikergröße Jean Daniel zu ärgern. Sergeant Garcia Marquez lebt immer noch, er hat 1982 den Literaturnobelpreis bekommen, und viele barocke Schriftsteller haben ihm alles zu verdanken: Jose Saramago; Günter Grass oder Salman Rushdie, die beiden Erstgenannten bereits nobelpreisgeschmückt. Letzterer nobelpreiswürdig. Und die Moral: Schreiben Sie ausufernde und unübersichtliche Romane und Sie haben größere Chancen auf den Nobelpreis, als wenn Sie Marguerite Duras paraphrasieren. (Frederic Beigbeder: Letzte Inventur vor dem Ausverkauf. Die fünfzig besten Bücher des 20. Jahrhunderts, S. 69)
Alles, was schön ist, ist unvollkommen. (Frederic Beigbeder)