Archive for Juni, 2010

#1163

Mittwoch, Juni 30th, 2010

Ich halte nichts von Ideen. (…) Für die Hälfte alle Probleme in der Welt sind Ideen verantwortlich. (Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor, S. 184)

#1162

Mittwoch, Juni 30th, 2010

#1161

Mittwoch, Juni 30th, 2010

“Ich habe deinen Vater immer mit offenen Armen aufgenommen, auch wenn ich sagen muß, daß mich die ständigen Bulletins über den Zustand seiner Blase und seines Darms ziemlich nerven. (David Lodge: Wie bitte? S. 255)

#1160

Mittwoch, Juni 30th, 2010

Die Geschichte wiederholt sich das erste Mal als Tragödie und das zweite Mal als Farce, aber Weihnachten wiederholt sich als Übersättigung. (David Lodge: Wie bitte? S. 227)

#1159

Mittwoch, Juni 30th, 2010

Festbeleuchtungsfanatiker wetteifern miteinander, die Fassaden und Vorgärten ihrer Vorortbehausungen mit kompliziert verschlungenen, bunten Blinklichterketten und zappelnden Weihnachtsikonen zu schmücken, so daß es immer wieder zu Kollisionen gaffender Autofahrer kommt. (…) Woher kommt diese schleichende Weihnachtspest? In meiner Kinderzeit waren der erste und der zweite Weihnachtsfeiertag, der englische Boxing Day, arbeitsfrei, danach ging das Leben wieder seinen gewohnten Gang, aber jetzt mündet Weihnachten direkt in die noch sinnloseren Festivitäten zu Silvester und Neujahr, so daß man - und mit einem das ganze Land - mindestens zehn Tage lahmgelegt ist, mit schwerem Kopf von zu reichlichem Essen, mit leerer Geldbörse nach den Ausgaben für unsinnige Geschenke, gelangweilt und genervt von lästigen Angehörigen und quengelnden Kindern, mit denen man zu Hause eingesperrt ist, und mit viereckigen Augen vom Dauerkonsum alter Filme im Fernsehen. Für einen längeren Zwangsurlaub sind diese Wochen, in denen besonders trostloses Wetter herrscht und die Tage am kürzesten sind, denkbar ungeeignet. Mein Held ist Scrooge - der unbußfertige Scrooge aus dem ersten Teil der ‘Weihnachtsgeschichte’ von Dickens. “Pah, dummes Zeug!” Wie recht er hatte! Und was für ein Jammer, daß er sich danach geläutert hat. (David Lodge: Wie bitte? S. 186)

#1158

Mittwoch, Juni 30th, 2010

Es gibt in der Öffentlichkeit eine von den Medien kompromisslos unterstützte Gier nach neuen Stilrichtungen in der Mode, beim Essen, in der Innenausstattung, bei Elektronikspielereien, bei allem, was sich denken läßt. Künstler, die sich seit Beginn der Moderne dem Ziel verschrieben haben, Neues zu schaffen, aber dabei ihr Tempo selbst bestimmen wollten, werden überrollt von den rasanten Veränderungen in der Populärkultur und mühten sich ab, um auf Papier und Leinwand ihre Spuren zu hinterlassen oder dreidimensionale Gegenstände zu schaffen, auf die bisher noch niemand verfallen ist. (David Lodge: Wie bitte? S. 148)

#1157

Mittwoch, Juni 30th, 2010

… las nach wie vor Gedichte zu seinem eigenen Vergnügen, was man nicht von vielen Menschen behaupten konnte, einschließlich derer, die Seminare über Lyrik hielten. (David Lodge: Wie bitte? S. 41)

#1156

Mittwoch, Juni 30th, 2010

Er sprach über das merkwürdige Verhältnis von Distanz und Nähe zwischen Eltern und Kindern. Daß Erwachsenwerden von den Eltern, aus deren Obhut, aus deren Fürsorge, aus deren Wohnung, aus deren finanzieler Unterstützung. Sich immer weiter entfernen, das ist Erwachsensein. (…) Ja, das mit der Distanz sei von der Natur so eingerichtet, sagte jetzt der Sohn fast verschwörerisch zu seinem Schwager, das sehe man auch an der Pubertät, dieses aggressive Davonlaufen. Er habe es doch gesagt: Erwachsen wirst du nur durch Distanz. Und der Schwager sagte, früher seien die Handwerksburschen auf Wanderschaft gegangen, auf die Walz, wegzugehen von zu Hause habe man geradezu für notwendig erachtet. Oder man denke an die Tradition der “Grand Tour” früherer Jahrhunderte: Junge Menschen sollten die Welt erfahren, sollten heraus aus der Enge des Elternhauses. Eine wahrhaft eigene, individuelle Existenz könne nur entstehen, wenn es zu Abstand zwischen Eltern und Kindern komme, örtlicher Abstand, mentaler Abstand. (Anonymus: Wohin mit Vater? Ein Sohn verzweifelt am Pflegesystem, S. 117)

#1155

Mittwoch, Juni 30th, 2010

Er sprach über das merkwürdige Verhältnis von Distanz und Nähe zwischen Eltern und Kindern. Daß Erwachsenwerden von den Eltern, aus deren Obhut, aus deren Fürsorge, aus deren Wohnung, aus deren finanzieler Unterstützung. Sich immer weiter entfernen, das ist Erwachsensein. (Anonymus: Wohin mit Vater? Ein Sohn verzweifelt am Pflegesystem, S. 116)

#1154

Mittwoch, Juni 30th, 2010

Für so wenig Geld gehen Altenpfleger Tag für Tag an und über ihre Grenzen. Die Arbeit ist nicht nur physisch enorm belastend, das Heben, Tragen, Drehen ausgewachsener Menschen ist schließlich kein Kinderspiel, wichtiger noch ist die psychische Seite: Die Überwindung des eigenen Ekels, die ununterbrochene Nähe zu Schmerz und Tod sind schlimm genug. Als noch schlimmer empfinden viele das häufige Fehlen von Dankbarkeit und Freundlichkeit. Altenpflege ist keine Kinderpflege. Ein Baby lacht und strahlt, wenn es sich satt getrunken hat und die Windel gewechselt ist. Bei Alten ist das oft nicht so, gerade bei den schwierigsten Gästen im Pflegeheim, den Demenzkranken, bleiben jene Zeichen, die den Lohn der Arbeit bedeuten, oft aus. Viele Altenpfleger gehören deshalb zu den Helden dieser Gesellschaft, aber kaum jemand spricht über sie. Altenpfleger sind die Engel von Hunderttausenden von Menschen, aber wie im Himmel fühlen sie sich nicht. Denn in vielen der gut 9000 deutschen Pflegeheime geht es wenig himmlisch zu. In einigen sogar wie in der Hölle. (Anonymus: Wohin mit Vater? Ein Sohn verzweifelt am Pflegesystem, S. 75)