Archive for März, 2010

#241 - Notate 30-3-2010

Dienstag, März 30th, 2010

Die Süddeutsche Zeitung start am 23. April eine neue, auf 20 Bände angelegte Romanreihe, die sich Metropolen widmet. Städteromane. Moskau beispielsweise vertritt Juri Trifonov mit Das Haus an der Moskwa. Der Einzelband (Hardcover) kostet € 8,90. Die Titelliste macht mich neugierig, weil ich entgegen sonstiger ähnlicher Buchreihen hier die Mehrzahl der Bücher nicht gelesen habe.

Ulrich Greiner von der ZEIT hat Uwe Timm besucht, einen meiner deutschen Lieblingsautoren.

#244

Dienstag, März 30th, 2010

Zu jener Zeit - sie würde später in diesem legendären Jahrzehnt zu Ende gehen - empfand man Jungsein noch als Bürde, als ein Kainsmal der Bedeutungslosigkeit, einen leicht peinlichen Zustand, der mit der Hochzeit ein Ende fand. (Ian McEwan: Am Strand, S. 11)

#243

Dienstag, März 30th, 2010

Ich glaub’ nicht, daß irgend jemand eine Freud’ an diesem komischen Sport hat… ich glaube, daß das alles, dieser ganze komische Wintersport nur auf die Reklame von die Sportgeschäfte zurückgeht und! Und, natürlich, weil es die anderen auch machen. Das scheint mit der springende Punkt zu sein. An sich - denk’ ich mir - wenn man den Menschen zwingen würde, also gesetzlich oder so, daß er bei Schnee und Eis, wo dem empfindlichen Menschen naturgemäß ohnedies widerstrebt, auf so merkwürdige Bretter hoffnungslos festgeschnallt, bei Kälte unter diesen Skianzügen schwitzend, unter Lebensgefahr mit schneeverpickten Augen steile Wiesen herunterzufahren, ständig gewärtig mit einem Baum oder einem anderen solchen Skitropf zusammenzustoßen - und dafür noch Geld auszugeben! Ich glaube, das würde eine Revolution geben. Sie verstehen: wenn das Skifahren respektive Wintersport sozusagen der vorher nichtsahnenden Bevölkerung gesetzlich verordnet würde, mit einem Schlag: eine Revolution. (Herbert Rosendorfer: Die Kellnerin Anni, S. 109)

#242

Dienstag, März 30th, 2010

Der Durchblicker, der Oberidiot. Muß der mit dem Pfarrer zu streiten anfangen über den Papst. Als ob einen Menschen mit Verstand dieser Papst heute noch interessieren möchte. Über die Überbevölkerung und die Geburtenkontrolle und Verhütung und die Pille - überhaupt, hat der Durchblicker gemeint, hält er es für vorbildlich, was ein gewisser Stamm in Afrika macht. Den Namen des Stammes hab’ ich vergessen. Irgendwelche Tutzi-Wutzi halt. Also - ich weiß es nicht, ob das wahr ist, was der Durchblicker da von sich gegeben hat. Jedenfalls hat er irgendwo gelesen, vielleicht im ‘Spiegel’, weil er ja seit zweiundvierzig Jahr’ ‘Spiegel’-Abonnent ist, daß jener gewisse Negerstamm seine Bevölkerungsstruktur… wie soll ich sagen… also bekämpft, das heißt nicht die Struktur, sondern… also auf deutsch gesagt, wie sie das anstellen, daß es nicht zu viele Alte gibt, die nur dumm herumsitzen und den Jungen das Essen wegfressen. Da werden also bei dem gewissen Stamm, erzählt unglücklicherweise dieser trachtenanzügliche ‘Spiegel’-Abonnent und Durchblicker, alle, die über sechzig Jahre alt sind, an einem bestimmten Tag im Jahr auf die Bäume hinaufgetrieben oder gehoben et cetera, und dann schütteln die anderen die Bäume, und die, welche herunterfallen, werden etrschlagen, sofern nicht schon vom Fall erledigt, und die, welche noch kräftig genug sind, daß sie sich festhalten und also folglich sozusagen noch volkswirtschaftliche wertvoll, dürfen noch ein Jahr weiterleben bis zum nächsten Schütteln. (Herbert Rosendorfer: Die Kellnerin Anni, S. 93)

#240

Dienstag, März 30th, 2010

… daß die Nonnen um halb elfe zugesperrt haben, und die Restknacker, die Pilger da, die haben sich eh um neune spätestens verkrochen. Zu viert haben wir in einem Zimmer geschlafen. Wie ich das erfahren habe, habe ich gedacht, mich vögelt ein Zebra, wenn Sie kurz den Ausdruck erlauben, aber es war dann an sich nicht so schlimm, denn das Zimmer was eher ein Saal - aber! h’aaber! die eine, wie die sich ausgezogen hat, beziehungsweise entkleidet - die hat ein Korsett angehabt wie ein Baugerüst, und wie sie’s abgelegt hat, ist die auseinandergegangen - sagen Sie, müssen die alten Leute alle so dick sein? (Herbert Rosendorfer: Die Kellnerin Anni, S. 84)

#239

Dienstag, März 30th, 2010

Rom ist eine schöne, hauptsächlich von Japanern bevölkerte Stadt. (Herbert Rosendorfer: Die Kellnerin Anni, S. 82)

#238

Montag, März 29th, 2010

Aber sonst ist so ein Campingurlaub naturgemäß von vornherein als Katastrophe programmiert. Sie geben’s nur nicht zu, die Camper, wenn’s heimkommen, oder sie haben’s vergessen. Der Spirituskocher, sag’ ich Ihnen, ist der schärfste Feind des Campers. Und der Camper ist von Haus aus knickrig, sonst würd’ er ja ins Hotel gehen in Urlaub. Also kauft er das billigste Öl. Somit ein Gestank. Und das fette Fleisch - wenn Sie noch nie auf einem Campingplatz waren, können Sie sich nicht vorstellen, was für Rauchschwaden sich da über die ohnedies ständig schweißelnden Camper wälzen - und du kannst ja keine Tür zumachen und kein Fenster in einem Zelt. Und die nachfolgenden Feuerbrünste. Wie gesagt: der Spirituskocher. Sengt an. Plötzlich steht das Zelt in Flammen. Eine Familie, die war aus Bottrop, kann ich mich erinnern, hat alles verloren bis auf ihre bläulichen Badeschuh’ und seinen Sombrero - den hat er gerettet, weil Andenken an einen Campingaufenthalt in Mexiko. Danach ist er, dick wie ein Faß, auf dem Felsen gesessen, nackert mit dem riesigen Sombrero auf und hat tragisch ins Wasser g’stiert. Ein Bild! sag’ ich Ihnen, ein Bild! Und seine Alte, in die bläulichen Badeschuh’, hat an ihn hingekeift: “Warum hast du nicht statt deinem blöden Sombrero die Pässe gerettet?!” (Herbert Rosendorfer: Die Kellnerin Anni, S. 73)

#237

Montag, März 29th, 2010

Ich glaub’, jetzt krabbeln sie langsam in den Bus zurück. Fürchterlich. Also - ich möcht’ ja nichts sagen, hab’ ja selber eine Mutter, und man wird in eigener Person nicht jünger im Lauf der Jahre - aber so eine Ansammlung… schon deprimierend. Meine Wenigkeit - also ich, wenn ich so sagen darf, habe das Durchschnittsalter der Pilgergruppe auf die Hälfte gedrückt, glaube ich. (Herbert Rosendorfer: Die Kellnerin Anni, S. 65)

#236

Montag, März 29th, 2010

Wenn unter siebzig Weibern zehn Männer sind - und Sie ahnen ja nicht. Da werden Weiber zu Hydranten, wie mein Giselher, also mein ehemaliger Giselher zu sagen ge - gepfle - also gesagt hat - weiß schon, zu Hyänen. Schiller: ‘Glocke’. Zu Hyänen. Und ich sage Ihnen: so alt und zwischen Schlaganfall und scheintot kann eine gar nicht sein, daß sie nicht zur Hyäne wird, wenn einer frei rumläuft. Aber meistens sind’s ja eh schwer verheiratete Ehekrüppel, und die Alte paßt auf wie ein Schießhund. (Herbert Rosendorfer: Die Kellnerin Anni, S. 62)

#235

Montag, März 29th, 2010

Es gibt kein Prinzip, so lobenswert es an sich auch scheinen mag, das nicht pervertiert werden kann. (Edward St. Aubyn: Schöne Verhältnisse, S. 177)