Archive for the ‘Textstreusel’ Category

#1915

Sonntag, Oktober 24th, 2010

Der Grass übertreibts mal wieder, hier nämlich unter dem Buchstaben B: “… dessen Betragen in einem biedermeierlichen Benimmbuch als beispielhaft hätte bebildert werden können…” (Grimms Wörter, S. 75)

#1913

Sonntag, Oktober 24th, 2010

… in Krisenzeiten, wie wir sie derzeit erlebten, in denen Besitz von Schwindsucht bedroht sei… (Günter Grass: Grimms Wörter)

#1907

Samstag, Oktober 23rd, 2010

… instinktiver Respekt vor den Gefühlen anderer: eine seltene Form der Weisheit. (Jason Epstein: Vom Geschäft mit Büchern)

#1902

Donnerstag, Oktober 21st, 2010

Als Twain gefragt wurde, was er von Hegel halte, antwortete er prompt, das könne er ‘noch nicht abschließend beurteilen’; er habe erst zwei Bände von ihm gelesen. Die Satzaussage vermute er nun im dritten Band! (Karl Hugo Pruys: Die Republik der Phrasendrescher. Wortwörtliches einer verunglückten Sprache, S. 20)

#1894

Mittwoch, Oktober 20th, 2010

Jemanden kräftig auszuschelten ist für den Engländer so viel, wie ihm ein ‘tongue-lashing’ - eine “Abreibung mit der Zunge” - zu verpassen. (Man denke auch daran, daß ‘lingua’, das lateinische Wort für Zunge, die Nebenbedeutung “kleiner Lederriemen” hat.) (Barry Sanders: Der Verlust der Sprachkultur, S. 153)

#1882

Dienstag, Oktober 19th, 2010

Bedenke nur eines, Mama: Das Leben ist schonungslos und ist nach seiner inneren Anlage tragisch: Wir bedeuten nichts in dem großen Plan, und die Gesundheit kann uns jeden Augenblick durch die gleichen blinden, zugreifenden Finger zerquetscht werden, die vor uns Billionen Menschen in die Erde stampften, wo sie modern. (Thomas Wolfe)

#1866

Montag, Oktober 18th, 2010

Er hat einen Akzent, der mich bei Frauen veranlaßt, sie zu heiraten. (Urs Widmer: Auf, auf, ihr Hirten. Die Kuh haut ab, S. 255)

#1865

Sonntag, Oktober 17th, 2010

Er rauchte so viele Zigaretten, daß, als er eines Tages die Marke wechselte, seine bisherige Konkurs machte. (Urs Widmer: Auf, auf, ihr Hirten. Die Kuh haut ab)

#1864

Sonntag, Oktober 17th, 2010

Mein Vater war einer, der Hunderternoten als Trinkgelder gab, ohne ihren Wert allzu genau kennen zu wollen. Die Mutter dagegen kannte die Tagespreise von Petersilie auswendig und vermochte eine Obligation von einer Aktie zu unterscheiden. (Urs Widmer: Auf, auf, ihr Hirten. Die Kuh haut ab, S. 257)

#172

Samstag, Oktober 16th, 2010

Aufgeschnappte Wortperlen (in Fortführung, neue zuvorderst):

“Zivilisationsapostel” [Christa Wolf: Ein Tag im Jahr]

“Existenzmühen” [Thomas Glavinic: Das bin doch ich]

“Beemmwee”; “Zahnarzt - Gaumenentvölkerer”. [Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis]

“poröses Gemüt”; “Säuferhunger”; “Landmädcheneinfältigkeit” [A.F.Th. van der Heijden: Das Gefahrendreieck]

“Gefühl fermentierter Schuld”; “Kleinstadtaristokraten”; “Lebenskrempel” [John Updike: Der Zentaur]

“Feuilletonistisch aufgeschäumte Kritik” [Büchermarkt, 23.6.2010]

“Bewußtseinsniete” [Irmtraud Morgner: Trobadora Beatriz]

“Vogelscheuchenkruzifix” [Vladimir Nabokov: Durchsichtige Dinge]

“Landregengleichmaß”; “kleine ölige Pfarrersrede” [Joseph Roth: Erzählungen]

“Gefühlsmagersucht”; “ästhetische Synkope” [Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels]

“Beziehungsgepäck”; “Orientierungsstreitigkeiten” [David Sedaris: Schöner wird’s nicht]

“Koalitionsarithmetik” [Die Welt, gehört im DLF]

“Weihnachtspest”; kulturell unterernährt”; “gesellschaftlich-kulturelles Karussell” [David Lodge: Wie bitte?]

“Krimi-Brimborium” [Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor]

“Plumpsklosettseele”; “finanziell hartleibig”; “tranfunzlige Intelligenz” [Julian Barnes: Darüber reden]

“Fallstricke der Familiendiplomatie”; “tumultöse Träume”; “reklameselige Zuschauer”; “Unbedenklichkeitslisten irgendwelcher Diätprogramme” [John von Düffel: Houwelandt]

“Müllmampf” (für Fastfood) [John Updike: Das Gottesprogramm. Rogers Version]

“Des Lebens Abendröte” [Arno Geiger: Es geht uns gut]

“Volksbeglückungsprogramm”; “Kathedersozialist”; “Beffchenmann” (für Pastor); “Doktorhascherei”; “bekenntnisstreng”; “der Trotz des Autodidakten”, “Wrasen”; “einen Gustus haben” [Theodor Fontane: Stechlin]

“bürgerschmeichelnde Beruhigungskunst” [Herbert Rosendorfer: Die Erfindung des SommerWinters]

“klappriger Alltag” [Veronique Olmi: Die Promenade]

“Schneiderei” - für Autopsie [Columbo: Alter schützt vor Torheit nicht]

“Scherbenbuddler” - für Archäologe. [Tatort Münster, 16.5.2010]

“Gesamtkatastrophe namens Gegenwart” [Arno Orzessek im DeutschlandRadio]

“Enthirnung” [Walter Vogt: Altern]

“schwermutsvolle Süßigkeit” [Arhtur Schnitzler: Der Weg ins Freie]

“Dampf der Gerüchteküche”, “Vakuum der Begierde”, “Gestenkatalog”; “Geduldsufer”. [Helmut Krausser: Die kleinen Gärten des Maestro Puccini]

“Süßwasserdichter” [Karl Kraus: Literatur und Lüge]

“Prophetengemurmel des Baches” [John Cheever: Die Geschichte der Wapshots]

“heroische Selbstabgewandtheit” [Rayk Wieland: Ich schlage vor, daß wir uns küssen]

“Ewigkeitsblickwinkel”, “Zerrüttungsgesten”, “aufgepeitschte Wortfuchtelei” [Karl-Heinz Ott: Ins Offene]

“englische Oberschichtungeheuer”. [Edward St. Aubyn: Schöne Verhältnisse]

“Allzwecklächeln”, “seelische DNA”, “Mutmaßungstheater”, “Eigenhaßtheorie”; “Familienhorde”, “haltlose Verruchtheitsgesten”, “Vatervermeidung” (bei der Männerwahl), “schnöseliger Weltverachtungsgestus”. [Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff]