Archive for the ‘Textstreusel’ Category

#1568

Donnerstag, Juli 29th, 2010

Bei Sloterdijk kästnerts in den Überschriften (”Lebensgefühl im Zwielicht”, “Schule der Beliebigkeit”), und ganze Kapitel scheinen Prosafassungen Kästnerscher Chansons zu sein (”Zur Psychosomatik des Zeitgeistes”, “Bombenmeditation” etc.) (Christoph Hein: Öffentlich arbeiten. Essais und Gespräche, S. 142)

#1548

Mittwoch, Juli 28th, 2010

Im roten Hinterzimmer eines Bordells saß rittlings auf einem langen, schmalen Tisch die abgewrackte Hure, die “Das Sparschwein” genannt wurde. Vorn war sie abgewirtschaftet, abgefuckt, doch hinten verdiente sie noch etwas Geld, indem sie die Münzen, die Besucher über den Tisch zu ihr rollen ließen, in dem Schlitz dessen auffing, was eins eine Goldgrube und jetzt eine Sparbüchse ohne Boden war. (A.F.Th. van der Heijden: Das Gefahrendreieck, S. 459)

#1539

Mittwoch, Juli 28th, 2010

Endlich erlöst von der kleinbürgerlichen Qual, sich Tischmanieren befleißigen zu müssen, schrien sich die Stundenten mit vollem Mund an, die Gabel in der rechten Hand, die linke unter dem Tisch… Hier, in dieser Garküche, tobte der Aufstand gegen die elterlichen Anstandsregeln. (A.F.Th. van der Heijden: Das Gefahrendreieck, S. 334)

#1537

Mittwoch, Juli 28th, 2010

“Wie alt warst du da eigentlich? Jedenfalls warst du ein Kind, das noch von nichts eine Ahnung hat.” Die ewige Unterschätzung dessen, was ein Kind in den ersten Lebensjahren imstande ist aufzunehmen und zu behalten und zu lebenslanger Nostalgie oder lebenslangem Groll erstarren zu lassen. (A.F.Th. van der Heijden: Das Gefahrendreieck, S. 316)

#1536

Mittwoch, Juli 28th, 2010

Er zuckte mit den Achseln, schmollte noch ein bißchen und gähnte dann gespielt. Dieses Gähnen kannte Albert nur zu gut an ihm: Gemeint als Zeichen seiner Gleichgültigkeit, gähnte der Mann damit seine ganze Erleicherung heraus. (A.F.Th. van der Heijden: Das Gefahrendreieck, S. 299)

#1533

Mittwoch, Juli 28th, 2010

Albert wunderte sich über die Feigheit seines Vaters, die derart subtil war, daß das poröse Gemüt des Jungen sie unbemerkt aufsaugen und als Baustoff für sein eigenes Leben einlagern konnte. (A.F.Th. van der Heijden: Das Gefahrendreieck, S. 152)

#1530

Mittwoch, Juli 28th, 2010

Sein Versprechen, “gegen halb zwei” zu Hause zu sein, hielt er pünktlich ein, allerdings nicht mittags, sondern nachts. Die “Sonntagshose”, auf die sein Söhnchen nicht einmal hatte ‘zeigen’ dürfen, war dann versaut durch Mayonnaisebatzen, von den Pommes getropft, mit denen er seinen vom Bier und Genever hervorgetriebenen Säuferhunger gestillt hatte. (A.F.Th. van der Heijden: Das Gefahrendreieck, S. 91)

#1529

Mittwoch, Juli 28th, 2010

Der Wind, der ihm entgegenprallte, wollte ihm mehr zum Einatmen geben, als er ausatmen konnte. (A.F.Th. van der Heijden: Das Gefahrendreieck, S. 89)

#1527

Dienstag, Juli 27th, 2010

“Das Wetter schlägt heute noch um. Paß nur auf. Es wird ein ganzes Stück kühler. Das hab ich heute morgen schon gespürt. Tja, Mann, Bauern… Laß die Jungs vom Wetterdienst ruhig quasseln.” (A.F.Th. van der Heijden: Das Gefahrendreieck, S. 73)

#1526

Dienstag, Juli 27th, 2010

… das alles lag noch im Schatten der hohen Hecke, die ihren Garten von dem der Familie Lopik trennte. Protestanten: Die Hecke konnte gar nicht hoch genug sein. (A.F.Th. van der Heijden: Das Gefahrendreieck, S. 50)