In Wohin mit Vater? sehr viele bedenkenswerte Fakten und Aspekte, die zum Nachdenken einladen. Die Zeit, in der man Sorge um seine alten Eltern wird tragen müssen, ist oft genau die Periode im Leben der Kinder, in der diese selbst gedachten, die Früchte einzusammeln, kürzer zu treten, die Füße vom Gas zu nehmen. Wenn der Großteil der Karriere gelaufen ist, wenn man in ruhigere Fahrwasser kommt, aber physisch und psychisch noch so fit und frisch ist, die Ernte einzufahren, kommt möglicherweise der große Einschnitt, die Belastung, sich um die alten und pflegebedürftig gewordenen Eltern kümmern zu müssen. Kraft, Zeit, Nerven und Geld zu investieren. Eine verfluchte Situation, die man eigentlich hätte antizipieren sollen, ist sie doch nicht neu. Absehbarer ist weniges im Leben als Altern, Sterben und Tod. Und doch ein Tabu. In dem Buch, in dem sich der Sohn (gemeinsam mit der Schwester) nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter um die Absicherung der Pflege des 86-jährigen Vaters kümmern muß, benennt er dieses Tabu als eines der größten unserer Gesellschaft. Daß die Vorsorge, wenn überhaupt, seitens der Eltern klammheimlich erfolgte und sich auf die praktischen Dinge beschränkte, daß man im persönlichen Gespräch diesem Thema stets auswich, es auf später vertagte. - Man wolle sich doch diesen schönen Abend nicht versauen! Sohn und Tochter kommen vom Regen in die Traufe. Die Suche nach einem geeigneten Pflegeheim scheitert an Zuständen wie Doppelzimmer, Geruchsterror (Urin, Desinfektionsmittel), Entpersönlichung (Wohnatmossphäre, Möblierung) oder den hohen Kosten. Auch die unvermeidliche Gallionsfigur im Kampf um eine bessere Pflege in Deutschland, Claus Fussek, kommt vor. Neben diesen auf die Praxis ausgerichteten Erwägungen sind die anderen nicht weniger beklemmend und bedenkenswert. Das Verhältnis der Kinder zu ihren Eltern ist mit Beginn der Pubertät davon geprägt, Distanz zu gewinnen, die bis zu dem neuralgischen Zeitpunkt anhält. Wenn nämlich die Eltern Hilfe brauchen, schmilzt jene Distanz wieder, müssen Räuem überwunden werden, sind Fragen plötzlicher Nähe und Intimität aktuell. Zum Beispiel: Wie Scham gegenüber den eigenen Kindern überwinden? Übrigens heißen diejenigen Menschen, die sich bei der Pflege von Familienangehörigen aufreiben, die ihre Kräfte verschleißen und sich buchstäblich kaputt machen, “Hidden patients”.