#1576

Wo Literatur genügend Ecken und Kanten hat, da schärft sie die Wahrnehmung des Lesers jenseits solcher Aufrufe. Wer mit einem Stift in der Hand liest, hinterläßt Spuren im Text, die genau das markieren: die Schärfung der eigenen Wahrnehmung. Man kann Anstreichungen generell als Spuren der Erregung betrachten, als Spuren einer plötzlichen erhöhten Aufmerksamkeit, mit der man für oder gegen etwas eintritt, als Spuren einer intelligiblen Schärfe. Und wo solche am Einzeltext gewonnene Schärfe über diesen einzelnen Text hinausgeht und sich auch anderen Verhältnissen zuwendet, da wird sie gesellschaftlich. (Corina Caduff: Land in Aufruhr. Die Künste und ihre Schauplätze, S. 142)

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