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Im digital diary geht es weiter zum Thema Macht und Geschlecht, woraufhin ich sofort einen Kommentar schreiben mußte: “Als Krankenpfleger arbeite ich in einer Frauendomäne. Meine zwei unmittelbaren Vorgesetzten sind Frauen (Stationsschwester, Pflegedienstleiterin). Sie üben eine, wenn auch in dieser Hierarchie bescheidene Macht aus. Auch sonst bin ich Hahn im Korb. Zwar nahm der Anteil männlicher Pflegekräfte in den 20 Jahren, die ich diesen Job nun mache, signifikant zu; trotzdem hatte ich noch nie mit männlichen Leitungskräften zu tun und kann somit leider keinen direkten Vergleich ziehen. Als einziger Mann inmitten von 12 festangestellten weiblichen Pflegkräften erlebe ich ‘ne Menge Rumgezicke und bin daran gewöhnt. Vielleicht habe ich sogar einen Sensus für feminine Herangehens- und Verhaltensweisen entwickeln können, der es mir ermöglicht, um die Ecke herum zu kommunizieren. Ebenso unmöglich ist eine reine sachbezogene, abstrahierende Diskussion. Ich muß Probleme konkret erörtern und immer Rücksicht auf personenspezifische Besonderheiten nehmen. Als Koch (damals vor mehr als 20 Jahren) erlebte ich einen ungleich rüderer Ton. Die Küche ist kein Zuckerschlecken. Da bekam man öfter eine Schaumkelle ins Kreuz. In der Pflege fällt mir vor allem das Harmoniebestreben nicht nur der Leitungsebene auf. Konflikte drücken sich unter Frauen vielfältiger aus. Sie bleiben dankbarerweise aber nie lange virulent, sondern müssen sozusagen heraus und bewältigt werden. Das Ziel ist die rasche Einigung, das Wiederherstellung eines auch emotional erträglichen Zustandes. Macht verändert. Ich habe im Laufe der Jahre viele Kollegen (Studenten, Ärzte, Schwestern) die Hierarchiestufen heraufklettern sehen. Die Notwendigkeit, Entscheidungen und Anordnungen zu treffen, die befolgt werden müssen, verändert das Selbst- und Fremdbild und beeinflußt den Handlungsrahmen. Aus ehemals sehr umgänglichen Menschen können Kotzbrocken werden oder Menschen mit zunehmenden Macken, die ab einer gewissen Karrierehöhe niemand mehr zu ändern vermag, weil die Machtposition den Einspruch verbietet. Kommt der Chefarzt, zittert die Belegschaft, verstummen sonst sehr redefreudige Kollegen. Ich weiß ja auch nicht. Möglicherweise spielen geschlechtsspezifische Aspekte ab einer bestimmten Höhe einer Machtpistion keine Rolle mehr, sondern die Position selbst ist es, die einen Charakter schafft.